Cinema for Direttore: Howl - Das Geheul

Da durfte der Direttore doch Zeuge eines kleinen Meisterwerks der Filmkunst werden. "Howl", zu deutsch "das Geheul", von Robert Epstein & Jeffrey Friedman. Der Film ist kein Bioepic über den Beat Dichter Allen Ginsberg. Er thematisiert nur dessen wohl berühmtestes Werk, "Howl". Dieses Standardwerk der Beat Generation besteht aus drei Teilen und einer „Fußnote“. Berühmtheit erlangte "Howl", da es aufgrund seiner obszönen und vulgären Schreibweise die Gesellschaft um 1956 in Aufruhr brachte. Es wurde kurzzeitig verboten und dessen Verleger, Lawrence Ferlinghetti, verhaftet. Ein Richter hob das Verbot später wieder auf, was ein Meilenstein in der Freiheit der Kunst zu dieser Zeit bedeutete. Wie das Gedicht, so besteht auch der Film aus drei Handlungsorten. Zum einen die Interviews mit Ginsberg in den 60ern. Zum anderen der Gerichtsprozeß und zu guter letzt, was dem ganzen Film die notwendige Abwechslung innerhalb der Dramaturgie bringt, Szenen von Lesungen aus "Howl" die mit einnehmenden und faszinierenden Animationen unterlegt sind. Diese drei Orte könnten unterschiedlicher nicht sein. Das faktische Geschehen im Gerichtssaal bzw. der Kampf um die künstlerische Freiheit, die Erzählungen von Ginsberg in den Interviews und die szenischen Betrachtungen seiner Lieben, Sehnsüchte, Enttäuschungen, Wut und Hoffnungen und eben die leidenschaftlichen Lesungen, die an Spannung und Dramatik kaum zu überbieten sind. Die Dynamik der passenden Animation im Carton Stil unterschreiben die unterschiedlichen Gefühlswelten in die uns dieser Film entlässt. Die Homosexualität Ginsbergs spielt dabei keine wirklich große Rolle, so findet man ähnliche Problematiken der unerwiderten Liebe auch in jeder heterosexuellen Beziehung. Der Direttore hätte es nie für möglich gehalten, dass man ein Gedicht über ca. 80 Minuten in dieser Art und Weise hätte verfilmen können. Es gibt die berühmten Längen in "Howl" nicht. Heute würde sich sich keiner mehr über diese Art von Schreibweise echauffieren. Unsere Gesellschaft kennt kaum noch eine Hemmschwelle. Umso erstaunlicher, wie dieses Werk ein "Geheul" in der damaligen Gesellschaft auslösen konnte. Man war sich der Realität des Umgangs und des Treibens der Jugend in der Nachkriegsgeneration einfach nicht bewusst bzw. drängte das Vorgehen ins Abseits der Straßen. "Howl" ist ein unglaublich wichtiger Film. Vielleicht zeigt er heutigen Generation die Macht der Sprache auf, wahrscheinlich findet er aber kein Gehör. Dennoch, ein Film nicht nur für Romantiker, auch für Revoluzzer, Jazzfans und alle die, die die Hoffnung noch nicht ganz verloren haben...
"I saw the best minds of my generation destroyed by madness, starving hysterical naked, dragging themselves through the Negro streets at dawn looking for an angry fix"
Aus Ginsberg`s "Howl" 
Zu beziehen u.a. bei Amazon auf DVD


Kommentare

  1. Jawoll, sehr schöner Text, Herr Direttore! Der Film wird bei nächster Gelegenheit geschaut, bin gespannt! Danke für den Tip!

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