Promiweinen auf der Spur, was können diese wirklich? Folge 3: 2010 Claret Diamond Collection Black Label Francis Ford Coppola

>> Montag, 13. Mai 2013



In unserer dritten und letzten Folge „Promiweinen auf der Spur, was können diese wirklich?“, widmen wir uns keinem Geringerem als Francis Ford Coppola! Wohl einer der bedeutendsten Filmschaffenden des US-amerikanischen Kinos. Der Regisseur des Paten, Apokalypse Now und Der Regenmacher. Eine lebende Legende!

Mein Lieblingsfilm von Coppola ist allerdings „Rumble Fish“, basierend auf einem erfolgreichen Roman der US-amerikanischen Schriftstellerin S. E. Hinton. Ein kleiner schwarz weiß Roadmovie mit Matt Dillon und Mickey Rourke. Unbedingt anschauen!

In den Siebzigern kauft Francis Ford Coppola das Weingut Inglenook Estate, welches für seinen Prestigewein Rubicon berühmt ist. Coppola braucht diese Oase in Napa Valley nicht als Staus Symbol. Er ist Weingutsbesitzer mit Leib und Seele und die Entwicklung und sein persönliches Engagement der letzten Jahrzehnte, unterstreichen diese These. 

Heute streift der 2010 „Claret“ aus der Diamond Collection mein Glas. Ein typisches Bordeaux Cuvee. Daher auch die Namensgebung. Claret bedeutet nichts anderes als die englische Bezeichnung für Bordeaux. Als passionierter Cineast, gefallen mir die Etiketten äußerst gut. Nachdem dies aber gerade bei Promiweinen Schall und Rauch zu seien scheint, fühle ich lieber dem Inhalt meines Glases auf den Zahn. Ein Angebot, welches ich nicht ablehnen kann? 

Don Vito Corleones Blut dreht im dunklen Rubinrot seine Runde im Glas. Blaubeeren, Brombeeren, elegante Schwarzkirschen mit einem würzigen Schuss Café Arabica. Ein wenig Vanille gepaart mit Ledertönen. Baumtomaten und rote Paprika geben den Antagonist. Weitestgehend ein schmeichelhafter Vorspann ohne flüchtige Töne. Die deklamatorische Frucht findet primär auch am Gaumen statt. Weiche Tannine, feine Säure, leichte Zartsüße. Samtiger Körper, wenig stoffig, kaum Druck. Eher saftig, aber dennoch filigran. Das Holz wirkt gut eingebunden, dennoch wenig Tiefe. Der Alkoholgehalt mit 13,5% erscheint unterstützend, nicht schwer. Etwas flüchtiger Abgang. 

Mit neuer Welt hat das Ganze nicht viel zu tun. Man könnte dieses Cuvee aus 78% Cabernet Sauvignon, 13% Petit Verdot , 2% Cabernet Franc, 5% Merlot und 2% Malbec problemlos in die Vorbildregion Bordeaux stecken. Dies ist durch seine Eleganz und seine Filigranität begründet. Am Ende zeigt sich der Claret durchschnittlich und austauschbar, jedoch nicht von schlechter Qualität. Ein solider Alltagsbordeaux mit cineastischem Hintergrund. Mit ca. 30€ wohl günstiger als so manche gleichwertige Alternative aus dem Medoc.

Ein Angebot, das man durchaus annehmen kann…

Für 29,90 € hier zu beziehen.

Read more...

Werdet zu Staub und Erde, vergesst die Rebsorten! oder Wein am Limit Live Verkostung Nummer 5

>> Freitag, 10. Mai 2013

Gestern rief Master Sommelier und Weinonliner Hendrik Thoma zum fünften Mal zu seiner Live Verkostung auf der Videoblogplattform „Wein am Limit“ auf. Ich folgte dieser Aufforderung gerne. Die vergangenen Events bewiesen, dass sich dort tiefenentspannte und weinaffine Zeitgenossen auf einer wohlwollenden und genussvollen Abendveranstaltung treffen, ohne den üblichen und häufigen Zynismus der übrigen Zusammenkünfte bezüglich Wein im Web 2.0.

Der Ablauf ist relativ einfach. Man kann vorab die Weine, die zur Verkostung auf dem Programm stehen, bestellen und diese dann gemeinsam mit allen Gleichgesinnten live begleitend zu einem Videostream kommentieren.

Hendriks heutiger Gast war Eduard Tscheppe-Eselböck, der gemeinsam mit seiner Frau Stephi das 14 Hektar große Weingut Gut Oggau im Burgenland nach biodynamischen Grundsätzen bewirtschaftet. Ein wahrer Philosoph mit Mut zur Individualität. Es entwickelte sich eine spannende Unterhaltung über alternative Weininterpretationsmöglichkeiten und deren Akzeptanz auf dem Markt. Kurzweilig und intensiv. Wer möchte, kann dies hier in den nächsten Tagen nachverfolgen.

Im Glas durfte man eine gehörige Portion an Ursprung und Herkunft vernehmen. Alternativer Weinbau aus Österreich im besten Sinne. Mehr Kunst als Marke.

2011 Riesling “In der Wand” Weingut Pichler-Krutzler, Wachau
Elizabeth Pichler und Erich Krutzler, beide aus renommierten Weinhause, gründen 2006 ihr eigenes Weingut. Die Intension ist deutlich. Lagenauthentizität und Handarbeit gegen modische Tendenzen. Die Vorstellung eines fettigen Wachauer Rieslings wird mit dem „In der Wand“ widerlegt. Marille, reifes Steinobst, frischer Citrusfrüchte, Gartenkräuter steigen einem in die Nase. Erstaunlich reif und abgeklärt. Am Gaumen primär von präsentem Schmelz geprägt. Etwas säureärmer, jedoch weist er eine gute Balance zwischen der opulenten Frucht und der herben und frischen Mineralik auf. So wirkt er elegant und raffiniert. Seiner Jugend mag geschuldet sein, dass er im Finish etwas kurz und schwach wirkt.

2011er Timotheus Gut Oggau, Burgenland Cuvee aus Grünem Veltliner und Weissburgunder
Die burgendländische Marktgemeinde Gut Oggau ist die älteste Rotweingemeinde Österreichs. Diese lässt sich bis zur frühen Römerzeit zurückverfolgen. Das Ehepaar Tscheppe verschreibt sich dem biologisch-dynamischen Weinbau in Umstellung auf Demeter. Die Gesichter auf den Etiketten und deren historischer Hintergrund, sollen die Charaktervielfalt jedes einzelnen Weines beschreiben. In der Nase erlebt man beim „Timotheus“ eine Art Chamäleon. Wechselwirkende Aromen. Von Rotweintönen wie bei einem Pinot Noir, über das deutlich präsente Holz, erdigen Noten, Speck und Rauch, Dörrobst, überreifen Bananen, dieser oxidativ ausgebauter Wein ist extrovertiert und äußerst facettenreich. Dadurch besteht die Gefahr des Polarisierens, was ihn mir natürlich umso mehr sympathischer macht. Er ist ein ruhiger Wein. Rassige Säure sucht man vergebens. Timotheus ist von cremiger Struktur und eindrucksvoller Länge. Mehr Herkunft als Rebsortentypizität. Ein dramatischer Wein, der einen stundenlang aufpeitscht. Wäre er vorher nicht schon leer… Grandios!

Beide Weine liegen preislich irgendwo zwischen 22 und 30 Euro und sind hier erhältlich.

Read more...

Promiweinen auf der Spur, was können diese wirklich? Folge 2: 2010 Puro Malbec Cabernet Dieter Meier

>> Dienstag, 7. Mai 2013



Heute also Folge 2 unserer kleinen Reihe „Promiweinen auf der Spur, was können diese wirklich?“. Unser gestriger Ausflug spedierte uns in die Provence. Hier versuchen sich Angelina Jolie und Brad Pitt auf Chateau Miraval an einem Rose. Ergebnis? Ein durchaus ansprechend gemachter Wein, für den man allerdings einen ordentlichen Promiaufschlag bezahlen muss. Kurzweiliges Kopfkino Vergnügen.

Nun wird es musikalisch. Das schweizer Popduo YELLO. „TheRace“, wer kennt sie nicht, die berühmte Titelmusik der damaligen populären Musikvideosendung Formel Eins? Yellos Sänger Dieter Meier erwirbt in den späten 90ziger Jahren beachtliche 380 Hektar Land in Argentinien. Genauer, in Agrelo Alto, südlich der Stadt Mendoza und am Fuße der Anden. 120 Hektar von Meiers Gut „Puro“ werden mit Malbec, Cabernet Sauvignon, Syrah und Merlot bepflanzt.

Puro ist heute ein bio-zertifiziertes Weingut. In Agrelo Alto in Mendoza herrscht extreme Trockenheit, so dass Meier vor nennenswerten Herausforderungen steht. So setzt Dieter Meier auf ressourcenschonende Tröpfchenbewässerung der Reben. Der Vorteil des trockenen Gebiets ist die Umsetzung des ökologischen Weinanbaus. Schädlinge und Pilzkrankheiten sind auf Puro kaum vorzufinden.

Nun hilft das alles nichts, wenn das Ergebnis im Glas vom Promistatus kaschiert werden soll. Frei nach Max Grundig, ich überlege, mein Gaumen entscheidet. Ich wage mich an das Einstiegscuvee.  

2010 Puro Malbec Cabernet Dieter Meier
Im tiefdunklen Rot mit braunroten Reflexen dreht dieser Leadsänger seine Runden im Glas. Dunkle Beeren, Pflaumen, Schwarzkirschen mit einem kräftigen würzigem Einschlag nach Cheyenne Pfeffer und ein wenig balsamischen Noten nach Minze. Baumtomaten, Paprika, ein insgesamt ausgesprochen aromatisches Bukett. Körperreich, von fleischiger Struktur und einem enormen Saft am Gaumen. Teilweise grobschlächtig, aber nicht störend. Ich mag die kernige Säure. Diese entgegnet dem fruchtigen und zartsüßen Eindruck in der richtigen Dosis. Der Alkoholgehalt kräftigt den Körper. Nachhaltig trockenes Finish.

Eine breitschultrige und rustikale Kampfansage aus der neuen Welt! Eine Barbecue Allzweckwaffe! Mehr Rotwein fürs Geld geht nicht! Wird vom Konsumenten beim „Brangelina“ Rose ein Promiaufschlag erwartet, so können wir bei Dieter Meiers ca. 8€ Einstiegsrotwein von einem Volkslied sprechen. Der Barde hat alles richtig gemacht.

Zu beziehen bei TVino für 7,90€ hier.

Read more...

Promiweinen auf der Spur, was können diese wirklich? Folge 1: 2012 Miraval Côtes de Provence A.C., Rosé Jolie-Pitt & Perrin

>> Sonntag, 5. Mai 2013



Zum guten Ton eines Prominenten gehören seit einiger Zeit nicht nur Yachten, Immobilien und Autos, nein, die Greifarme des Konsums richten sich gen Weingüter. Entspannt könnte man festhalten, dass dieses Interesse das Thema Wein viral salonfähiger machen würde, jedoch wird unter dem Decknamen mondäner Künstler auch ziemlich viel Mist vinifizert.

Grundsätzlich ist in 3 Arten von prominenter Beteiligung zu unterscheiden. Erstens, die Teilnahmslosen. Sie geben für eine Hand voll Dollar ihren „guten“ Namen für mehr Absatz her. Beispiele? ACDC, Motörhead, Pink Floyd. Zweitens, die Scheintoten. Sie besuchen tatsächlich ihre Weingüter, reden ein wenig mit und helfen bei Verkostungen und Veranstaltungen dem Absatz. Beispiele? Gerard Depardieu, Günther Jauch, Mick Hucknall. Drittens, die Handanleger. Diese Leute machen Wein. Sie stehen im Weinberg. Sie lieben den Rebsaft. Sie haben etwas zu erzählen. Beispiele? Maynard James Keenan, Al Bano. 

Zeit für eine kleine dreiteilige Reihe bezüglich Promiweine. Was können diese, wie viel Promi steckt in ihnen und sind sie ihr Geld wert? 

Den Anfang macht ein Wein, der für ein überreiches mediales Interesse sorgte. Angelina Jolie und Brad Pitt, in Eheunion „Brangelina“ genannt, kaufen sich ein Weingut in der Provence. Das ca. 500 Hektar Land umfassende Château Miraval. Als Consultant wird die Familie Perrin geworben. Keine schlechte Entscheidung. Die Familie Perrin gehört wohl zu den bedeutendsten Winzerfamilien Frankreichs und ihre Weine der südlichen Rhone sind von Weltruhm. Viel mehr als Namedropping wird das „Brangelina“ Label nicht hergeben. Wie schon erwähnt, die glänzende Seite der Medaille könnte jedoch die Salonfähigkeit des Themas "qualitativ hochwertiger Wein für die Masse" sein.  

Zum Praxistest. Lachsfarben dreht dieser Promisprössling seine Runden im Glas. Leicht parfümiertes Bukett nach Himbeeren, roten Johannisbeeren, Erdbeeren, Limetten und Rosenwasser. Glücklicherweise entmystifiziert ein Hauch Pampelmuse den Wohlklang. Keine flüchtigen Noten erkennbar. 

Am Gaumen überraschend stoffig und saftig. Die auffallend cremige Struktur ist wohl dem Holzeinsatz geschuldet. Das Cuvee aus Cinsault, Grenache und Syrah wirkt durchblutet und frisch. Lediglich die Säurestruktur gibt sich etwas apathisch. Die 13% Alkohol machen sich bemerkbar, verschaffen diesem Rose aber eher Ausdruck als Schwere. Im Finish ist er mir etwas zu kurz.  Insgesamt muss man aber von einem präsenten Rose sprechen. 

Wer hier ein gehyptes Leichtgewicht vermutet, der liegt falsch. Perrin bringt einen durchaus veritablen und druckvollen Rose auf die Flasche. Von seichtem Boulevard keine Spur. Leider mit ca. 17€ völlig übertrieben bepreist.  Hier spielen dann doch das Marketing, respektive die Marke, eine tragende Rolle. Um die 9€ wäre der Miraval meine Rose-Empfehlung für diesen Sommer geworden, so muss man letztendlich auf preiswertere und wertigere Roses aus der Provence hinweisen. Zum Beispiel das „Cuvee Patricia Ortelli Rose“ vom Chateau la Calisse. Für ca. 13€ hier zu beziehen.

Den "Brangelina" Rose gibt es bei TVino für 16,90€ hier zu beziehen. 

Read more...

  © Blogger templates Sunset by Ourblogtemplates.com 2008

Back to TOP