Wines of Portugal Roundtable in München mit Caro Maurer

Vor kurzem folgte der Direttore einer Einladung zum Wines of Portugal Roundtable in München. Portugal? Kannte ich vorher meist nur aufgrund staubtrockener Rotweine mit gutem Preisleistungsverhältnis. Persönlich vor Ort war ich bisher leider nie. So fand auch diesmal die Reise im Glas statt. Portugals Rebfläche umfasst ca. 240000 Hektar. 250 zugelassene autochthone Rebsorten lassen eine gewisse Vielfalt und Individualität erahnen. Während man hierzulande beim Thema Cuvee noch ein wenig die gemachte Nase rümpft, so ist das "Blending" in Portugal traditionell Gang und Gebe. Weitere Hard Facts zu Portugal, "Es gibt heute in Portugal fünf Weinbauzonen mit über 40 Qualitätswein-Anbaugebieten, davon 26 mit DOC-Status. DOC bedeutet in Portugal Denominação de Origem Controlada und entspricht dem spanischen DO oder dem französischen AOC-System. Sechs Regionen erzeugen IPR-Weine (Indicação de Proveniencia Regulamentada, entsprechend den VDQS-Weinen), acht Regionen Landweine (Vinhos Regionais, entsprechend den französischen Vin de Pays). Der Rest ist Tafelwein (Vinho de Mesa). Portugal verfügt in Europa vermutlich über die größte Varietät autochthoner weißer und roter Rebsorten. Mit dem Colares verfügt man außerdem über eine der überaus seltenen Rebsorten, die noch mit echten europäischen Reben (Ramisco) im Sand nördlich von Sintra in Colares nahe der Atlantikküste angebaut werden. Die Reblaus, die fast alle anderen europäischen Reben im 19. Jahrhundert zerstört hat, konnte im Sand nicht überleben. (wikipedia.de)". Wieder was gelernt! Der Austragungsort des Wines of Portugal Roundtable in München war Ziemann`s Kochschule. Sehr stilsichere Location. Ideales Verkostungsambiente. Durch den Roundtable führte die Weinjournalistin und Master of Wine Caro Maurer. Sympathisch und fundiert. Hier meine Eindrücke einiger Weine.











Die Kunst des "Blendings"
1. Marques de Borba 2011 - Joao Portugal Ramos Vinhas
DOC Alentejo
Der Jungspund ist noch verhalten in der Nase, Tomaten, Paprika und eine leichte Würze. Rassiger, kerniger Ausdruck am Gaumen mit einer leicht verspäteten Süße. Extrem trockenes und nachhaltiges Finish. Insgesamt jung, knackig, süffig. Wenig Tiefe. Ein solider Tafelwein für ca. 10€. 83P
2. Periquita Reserva 2008 - Jose Maria de Fonseca
Vinho Regional Peninsula de Setubal (südlich von Lissabon)
Auffallend würziges und balsamisches Bukett. Spritzig und fruchtbetont am Gaumen. Holzeinschlag deutlich erkennbar. Süße Noten. Trockenes und gerbstoffreiches Finish. Spaßwein für ca. 10€. 85P
3. Quinta do Vale Meao 2009 - Quinta do Vale Meao
DOC Douro
Weihnachtliches Aroma nach frischem Gebäck, Vanille umrahmt von einer zimtigen würzigen Note. Am Gaumen weiche Tannine, viel Frucht, markantes Holz und ein gekonnt eingebautes Säuregerüst, das dem Fruchteindruck Contra bietet. Stoffiger Körper ohne marmeladig zu wirken. Angenehm trockener Abgang. Ein Wein mit Tiefe, der noch am Anfang seines Lebens steht. Outstanding für ca. 35€. 92P
Sortenrein, Autochton, Einmalig
Ich muss sagen, dass ich von dieser Kategorie wirklich begeistert war. Klar, Portugal ist wie anfangs schon erwähnt berühmt für die Blends, jedoch sind die drei vorgestellten sortenreine Weine nicht zu verachten und bleiben am meisten im löchrigen Gedächtnis des Direttore!
4. Muros Antigos Alvarinho 2011 - Anselm Mendes
DOC Vinhos Verdes, Subregiao de Moncao e Melgaco
Mein erster bewusster Weisswein aus Portugal und dann gleich so einer. In der Nase Pfirsich, Citrus und eine rauchige Note. Am Gaumen spritzige Säure, knackige Mineralität, feiner Schmelz, geschliffene Frucht. Zack! Was ein stimmiger frischer Sommerwein, klasse! Erinnert ein wenig an Riesling. Das Ganze für ca. 12, 50€ Rock`n Roll! 88P
5. Quinta da Pellada Touriga Nacional 2004 - Alvaro Castro
DOC Dao Feines Aroma, elegante Würze, noble Frucht.
Am Gaumen vollmundig, Johannisbeeren, Blaubeeren, markante Säure, erdige Noten, gekonnter Holzeinsatz. Ein anspruchsvoller Wein mit ordentlich Tiefe. Mein Highlight in der Verkostung! 35€ / 92P
6. Luis Pato Velhas Baga 2005 - Luis Pato
Vinho Regional Beiras
In der Nase ein süßliches Aroma, Sherryeinschlag, Eukalyptus. Am Gaumen weiche und klare Frucht, sehr auf den Punkt. Knackiges Säuregerüst. Kein Holz. Knochentrockenes Finish. Wein mit hohem Trinkfluss! Für ca. 17€ 88P
Jetzt war Frauenpower angesagt!
Die nächsten beiden Weine zweier Damen hätten unterschiedlicher nicht ausfallen können.
7. Susana Esteban (Winzerin des Jahres 2012) Solar dos Lobos Grande Escolha 2009 - Silveira Outro
Vinho Regional Alentejano
Kräftige brotige und nussige Aromen mit einem Hauch Zartbitterschokolade. Sehr einladend! Hochelegante Frucht in Kombination mit eloquent dosierter Säure und eingebunden Holz. Kräftiges und langes Finish. Ein Wein, trotz aller Finesse, mit Ecken und Kanten. 89P für sensationelle 11, 50€
8. Filipa Pato FP Tinto 2009 - Filipa Pato
Vinho Regional Beiras
Speckige, rauchige und kräutrige Nase. Wirkt sehr reduktiv. Sehr puristisch am Gaumen, ungeschliffene Frucht, kernig, aber leider zu bissig. Hier wirkt alles so ein bisschen ambitioniert individuell. Leider klappt das Experiment nicht. 13€ / 78P

Insgesamt für den Direttore eine spannende und sehr informative Reise durch die Weinwelt Portugals. Der Wein von Alvaro Castro bleibt mir bis heute in Erinnerung. Er ist ein Beispiel für das ausgesprochen erfreuliche Preisleistungsverhältnis Portugals. Angetan war ich von der geschmacklichen Vielfalt der Verkostung. Eine Internationalisierung konnte ich nicht feststellen. Hier wird sehr stark auf Herkunft gesetzt. Diese Art Anachronismus würde vielen anderen Regionen dieser Welt gut tun. Gaumen Rock`n Roll! Portugal wird in Zukunft sicherlich auf der persönlichen Weinkarte des Direttore eine gewichtige Rolle spielen. Authentisch, kantig und wenig opportunistisch...

Kommentare

  1. Mist, wollte da eigentlich auch dabei sein, aber der Termin ging leider nicht...da hab ich ja was versäumt... Schöner Bericht!

    AntwortenLöschen

Kommentar posten