5 Jahre La Gazzetta del Vino – Aufstieg und Phallus des Direttore


Vor einer Woche hatte die La Gazzetta del Vino, der Wein Blog Ihres Misstrauens, 5 jährigen Geburtstag. Still, heimlich und leise. Ganz anders als Sie es ansonsten von Ihrer spätrömisch dekadenten Gazette gewohnt sind. Doch dies hat einen relativ einfachen Grund. Der Autor konnte sich und wird sich auch weiterhin seine Unabhängigkeit bewahren. Er arbeitet schlichtweg fern ab des großen Weinzirkus, den er unter großem Herzinfarkt Risiko so sehr liebt.

Am Beginn der Idee für diesen Blog stand irgendwann eine Flasche Wein. Nach vielen Lambrusco Vertikalen und deren Wiederverwertung in den Randsteinen der Welt, gab es auch bei mir DIE erste Flasche mit der alles begann. In meinem Falle war es ein 1996er Ornellaia aus Bolgheri. Derart verzaubert, dass Wein mehr konnte als müde Glieder in importune Gefechtspartner einzuführen, sollten hunderte weitere erste Flaschen und Aha Erlebnisse folgen.

Bloggen war anfangs mehr eine Gedächtnisstütze. Trank ich zwar ein Juwel nach dem anderen, so konnte ich mich aber am nächsten Tage nicht recht entsinnen, wie denn das Geschmacksbild des jeweiligen flüssigen Sparringspartners empfunden wurde. So fing ich an zu schreiben. Ein Weintagebuch.

Das Weintagebuch ermöglichte es mir über die Jahre wirklich grandiose Winzer, Weinmacher, Händler, Inhaber, Weintrinker, Bloggerkollegen, Journalisten und viele andere Leidenschaftsgenossen kennenzulernen. Natürlich gibt es all diese Personenkreise auch in schlecht. Die Zahl ist bei nüchterner Betrachtung, wobei es immer schwieriger wird diesen kleinen Korridor am Tag nicht zu verpassen, erschreckend gering.

Einige Wein Blogger traten damals an, um die Weinwelt von sakralischen Krusten der Unnahbarkeit zu befreien. Das ist streckenweise in unserem Mikrokosmos durchaus gelungen. Dabei ging es eigentlich nie darum, dass mit Traditionen gänzlich gebrochen werden sollte. Ganz im Gegenteil. Viele engagierte Jungwinzer der Gegenwart besinnen sich immer mehr der alten Verfahren. Nein, es war viel mehr der Versuch der Förderung der Salonfähigkeit des Thema Wein für Jedermann. Unabhängig von Geldbeutel, Geschlecht, Religion, Kaste und Anspruch. Der Leitspruch „Schmeckt oder schmeckt nicht“ sollte als Agenda für die Zugänglichkeit zu einem wahrhaft wundervollen Kulturprodukt dienen. Das Ganze korrespondierend mit allen technischen Möglichkeiten, die die neuen Social Media Anbieter hergaben. Foren, Twitter, Facebook, Instagram, Skype, You Tube, whatever.

Die Szene konnte sich über Jahre extrem professionalisieren. Heute wird aktueller und kontemporärer Wein im Netz gelebt. Nicht mehr in Katalogen oder Printtiteln. Viele meiner damaligen Mitstreiter konnten in bezahlte Jobs der Branche wechseln. Andere gibt es heute leider nicht mehr. Insgesamt empfinde ich, dass die Blogger Landschaft in Sachen Wein weniger geworden ist. Wie liebte ich damals die konsequenten Themenblogs. Sie gibt es kaum noch. Dafür bietet das Netz nun Weinmagazine, die Trends setzen und entdecken. Die Meinungsmacht ist umgezogen. Sie wirkt im Web 2.0 dynamischer und impulsiver.

Wir von der La Gazzeta del Vino machen weiterhin das, worauf wir Lust haben. Manchmal geht es schlicht und prägnant um Wein Verkostungsnotizen und immer öfters um Meinung. Die haben wir, die leben wir. Siehe unseren letzten Bericht über den Weinführer Gault Millau und das Schloß Schönborn. Wir werden weiterhin kein Blatt vor den Mund nehmen und uns durch unzähliges Flaschenmaterial verkosten. Das alles, um Ihnen, geneigte Leser, weiterhin unsere Empfehlungen und Gedanken anzubieten. Subjektiv und unabhängig.

Es ist auch irgendwie an der Zeit Danke zu sagen. Mir sind unheimlich viele Menschen des Weinzirkus ans Herz gewachsen. Freunde geworden, die ich heute nicht mehr missen möchte. Besondere Menschen, die mein Leben bereichert haben. Auch das ist Wein.

Unser besonderer Dank gilt Ihnen, liebe Leser. Sie haben es möglich gemacht, dass wir heute über eine „Auflage“ verfügen, die jede Weinzeitschrift in gedruckter Form um Meilen übersteigt. Sie halten diesen kleinen streitbaren Amateurblog am Leben.

Danke auch an Weinmacher und Kultblogger Dirk Würtz, den ich zwar seit Jahren versuche mit dem Judaskuss aus Alphawolfhausen zu vertreiben, jedoch am Ende immer wieder feststellen muss, dass er mein vinophiler Ziehvater und wichtigster Verbündeter auf dem Rebschlachtfeld ist.

Unser Neuzugang und Menschenblogger Consigliere Marc Dröfke bereichert uns seit diesem Jahr. Frisch von der Leber weg, schreibt er alles das, was ich mit meinen Scheuklappen der Spießigkeit über die Jahre vergessen habe. Danke Marc, Du bist das optimale Antidot zum selbstherrlichen Direttore.

Und dann gibt es natürlich noch die ganzen Gegner meiner Profilneurose. Ihnen kann ich versprechen, sie können sich aufregen, denunzieren und Aufstände im Stillen planen, los werden sie mich nicht…

Hoch die Tassen. Cheers! Auf fünf weitere Jahre gegärten und dokumentierten Gang Bang! 

...eine kleine Verkostungsnotiz darf natürlich nicht fehlen. Sie kommt von der Mosel. Ein waschechter Ruwerriesling von Carl von Schubert. Abgefüllt in einer Sonderedition für Weinhändlerlegende Martin Kössler aus Nürnberg. Die Geburtsstadt des Direttore.

2011 Riesling Grünhäuser Herrenberg Faß N°28 K und U - Sonderedition Maximin Grünhaus
In der Nase dominiert der typische Geruch nach Spontanvergärung. Kernig, markant und präzise. Geräucherter Speck, Nasser Schiefer, Ingwer, leicht reifes Kernobst, florale Note nach kräftigem Holunder und überraschender Weise etwas Stachelbeere.

Am Gaumen von kräftiger Struktur. Unheimlich rassige und animierende Säure. Ihr gegenüber steht eine milde und fast schon aristokratisch wirkende Frucht. Außerordentlich saftig!, obwohl sich der Körper seine Eleganz und Kühle, auch trotz der leichten Süße, behält. Im langen Finish verweilt ein knackiges, trockenes und mineralisch herbes Mundgefühl.  

Dieser Riesling verhält sich wie ein englischer Landschaftsmaler, der das örtliche Pub besucht, um einmal ordentlich die Sau rauszulassen. Heimlich, versteht sich.

Die Erfahrung kostet gerade einmal ca. 14€. Sensationell!

Hier zu beziehen.
Der Direttore möchte darauf hinweisen, dass wir für Verlinkungen, Verkostungen, etc. keinerlei Geld erhalten.


www.qr-code-visitenkarte.de

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