Sonntag, 23. Oktober 2011

2008 Finca Sobreno Crianza DO - Was kann der Diskounter Crianza wirklich?

Heute unternimmt der Direttore erneut einen Ausflug in die Regale des Grauens. Er landet beim Diskounter. Einen der Beiden mit den 4 Buchstaben. Parker Punkte werden einmal mehr als Qualitätseinladung instrumentalisiert. Leider Gottes sind diese mittlerweile so inflationär geworden, dass selbst der ambitionierte Weinfreund kaum mehr beeindruckt werden kann. Beim Weinlaien scheint es noch zu klappen und so steht der aktuelle 2008 Finca Sobreno Crianza DO mit angepriesenen 89 Parker Punkten in den Regalen. Mit Verlaub, der Direttore kennt den Kameraden schon. 2009 habe ich den 2006 Vorgängerjahrgang degustiert. Damals wurde er mit 90 Punkten beworben und er war einen Euro teurer, lag also bei 7.90€. Die Degustationsnotiz des 2006er finden sie hier. Nun muss vorweg genommen werden, dass der Finca Sobreno Crianza kein typischer Diskounterwein ist, sondern aus dem Fachhandel stammt. Quasi erneut ein gut aussehender Türsteher, der in das marode Freudenhaus locken soll. Nun, 2/3 der Konsumenten kaufen ihren Wein im LEH, also wird auch der Direttore sich ab und an kritisch mit diesen Tropfen befassen. Kleiner Exkurs zu diesem Sportsfreund. Crianza werden spanische Weine mit einem Mindestalter von zwei Jahren bezeichnet, die im Anschluss zusätzlich für eine Zeit im Eichenfass reifen. 100% Tinta de Toro (Tempranillo-Klon) gibt bei diesem Crianza den Ton an. Im Glas dreht er im tiefdunklen Rot mit lilanen Reflexen seine Runden. Schwarzkirsche, leichte Kaffearomen und einen Hauch von Minze. Die Vanille lässt Rückschlüsse auf den Holzeinsatz zu. Im Ausklang Nougat. Dem Nachahmer sei gesagt, dass eine Dekantierzeit von mindestens einer Stunde von Nöten ist. Resultierend daraus kann ich mir kaum vorstellen, dass den Konsumenten, denen das Dekantieren nicht geläufig ist und die ihn in diesem Stadium schon trinken, dieser Wein sonderlich viel Spaß machen kann. Nach ordentlicher Lüftung verhält sich der Sportsfreund aus dem Toro weich und warm am Gaumen. Samtige Tannine. Dominierender Johannisbeerengeschmack. Stoffig und dicht. Der Alkoholgehalt und die Säure sind zwar befriedigend eingebaut, jedoch ist der Holzeinschlag noch deutlich zu massiv. In dem ansonsten trockenen Finish wirkt eben dieser holzige Geschmack noch ewig nach. Zum jetzigen Zeitpunkt macht er dem Direttore kaum Spaß. Nochmal weglegen. Hat durchaus Potenzial. Aber kauf ich Weine zum Lagern im Diskounter? Für ca. 6,90€ ein ordentlicher Rotwein, keine Frage! Aber im jetzigen Zustand höchstens 85 Punkte. Wer Geduld besitzt kann hier getrost zugreifen, ein Gespräch unter Freunden bereichert er sicherlich nicht...

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