Consigliere Dröfke über Barolo und eine Begegnung mit Giacomo Conterno – 1998 Barolo Cascina Francia

von Marc Kevin Döfke
König der piemonteser Weine. Eine sehr abgehobene Beschreibung könnte man meinen, wenn von einem der bekanntesten Weine Italiens die Rede ist. Dem Barolo. Der Name stammt eigentlich von der adeligen Luisa Falletti, Marquise von Barolo. Man erzählt, dass die Marquise eines Tages dem König Carlo Alberto von Savoyen 300 "carrà" (Transportfässer) Barolo schenkte, weil dieser den Wunsch geäußert hatte, von ihrem "neuen Wein" zu kosten. Ihm mundeten die Weine aus dem Haus Falletti offensichtlich derart, dass sowohl er als auch sein Sohn Vittorio Emanuele II (der erste König des vereinten Italiens) Weinstöcke und Ländereien in der Langhe kauften. 

So wurde der Barolo zum "Wein der Könige" und zum "König der Weine". Er wird zu 100% aus der Nebbiolo Traube gewonnen, die getrost als schwierig bezeichnet werden kann. In der Jugend präsentieren sich die Weine allzu oft sehr vom Tannin geprägt, verschlossen und wirken streng. Hinzu kommt noch die typischerweise hohe Säure, die Freunde von eher weichen Weinen abschreckt. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass ein junger Barolo sich im jugendlichen Stadium eher wie eine arrogante Diva als eine einladende „Mama“ verhält. 

Gibt man ihm aber die Zeit, die er im Keller braucht, um sich entsprechend entfalten zu können, zählt er zu den besten Rotweinen der Welt. Das Tannin wird softer und es entwickelt sich in den besten Fällen eine unheimliche Duftigkeit, die oft an einen Mix aus getrocknete Rosenblätter, Trüffel und Teer erinnert. Die Winzer, die u.a. rund um Barolo (den Ort), La Morra und Castiglione Falletto ihre Reben bewirtschaften, können in zwei Lager eingeteilt werden. Auf der einen Seite die Erneuerer, wie beispielsweise Elio Altare, Roberto Voerzio, Fratelli Brovia und einige weitere, die Ende der 70ger / Anfang der 80ger Jahre anfingen, die alten, verkrusteten Strukturen aufzubrechen und das Gesicht des Barolos anzupassen. 

Ihre Arbeit im Weinberg unterscheidet sich dabei kaum von den traditionellen Produzenten. Im Keller hingegen weisen die Vorgehensweisen deutliche Unterschiede auf, z.B. eher kurze Maischestandzeiten. Silvia Altare (Tochter des oben genannten Elio Altare und mittlerweile zuständig für die Weinbereitung auf dem Weingut Altare) spricht bei ihren Barolis von über 5 Tagen. Im krassen Gegensatz dazu lässt man beim Traditionalisten Giuseppe Mascarello die Weine 25-26 Tage auf der Maische stehen. Der zuständige Weinmacher Mauro Mascarello meint, nur auf diese Art bekomme er die entsprechenden Geschmacksnuancen aus den Trauben und letztendlich in den Wein. Ein weiterer Produzent, der sich ganz den traditionellen Methoden verschrieben hat, ist Roberto Conterno, der mittlerweile in dritter Generation das Weingut seines Großvaters Giacomo Conterno führt. Die Weine besitzen zum Teil Legendenstatus. Der Monfortino, ein Riserva, zählt nicht umsonst zu den besten Weinen Italiens. 

Ich hatte schon das Glück, ein gereiftes Exemplar dieses Barolos trinken zu dürfen und das Erlebnis gehört zweifelsohne zu meinen bisher schönsten Weinmomenten. Heute soll es sich aber um seinen „einfachen“ Barolo, der auf den Namen Cascina Francia hört, drehen. Die Trauben stammen, wie der Name schon verrät, aus der Lage Francia die zwischen Serralunga und Roddino angesiedelt ist. Der Cascina Francia wird wie der Monfortino sehr traditionell erzeugt. Er liegt zwar nicht bis zu 7 (!) Jahren im großen Holzfass wie der Bruder, aber drei Jahre lässt Conterno ihm Zeit. Unfiltriert abgefüllt kommt der Wein dann in den Verkauf. Im Zuge einer Blindprobe habe ich mir eine Flasche aus dem Jahrgang 1998 besorgt und meinen Mitverkostern vorgesetzt. Und trotz seiner bereits beachtlichen 16 Jahren auf dem Buckel, wirkt der Wein auch nach 6 Stunden im Dekanter nahezu zugenagelt. 

Die Farbe ist für einen Barolo ungewöhnlich dunkel. Das Nasenbild fällt momentan etwas eindimensional aus. Eine sehr starke balsamische Note wird begleitet durch eine dunkle, strenge Kirschfrucht, etwas Menthol, getrocknete Kräuter und einer erdigen Komponente. Alles wirkt zurückgenommen und zum aktuellen Zeitpunkt einfach verschlossen. Am Gaumen ist der Wein noch sehr jugendlich. Heftiges Tannin trifft auf eine hohe Säure, typisch für einen jungen Barolo. Der Stoff wirkt keinesfalls überzogen, sondern eher elegant trotz der hohen Konzentration und der massiven Struktur. Die einzelnen Komponenten sind glasklar erkennbar und brauchen einfach Zeit, um sich zu finden und miteinander zu verschmelzen. 

Ein Wein, den man vielleicht in 5-10 Jahren wieder anfassen sollte. Natürlich lässt sich das nicht auf alle Barolis übertragen. Ich denke, es gibt genügend aus dem 98ger Jahrgang, die jetzt trinkreif sind und zu einem guten Essen genossen werden können.


Kommentare

  1. Great wine, one of the best expressions of Barolo.
    Super!
    Franco Ziliani
    www.vinoalvino.org

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  2. Sehr interessanter Artikel!
    Für einen Weinamateur scheint das nichts zu sein, oder?
    Offensichtlich extrem langlebig. Woher weiss ich das perfekte Trinkfenster??

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