Montag, 13. September 2010

#TWV Twitter Wein Verkostung geht mit Weingut Uebel in eine neue Runde, in eine verdammt Gute!

Wie schon hier berichtet, fielen am 15. Mai der vinophile Wein Web 2.0 Flashmob, bestehend aus Dirk Würtz, Gabi Würtz, Denny Ramone, Ulla Ramone, Michael Gmall und meiner "Wein"igkeit dem Direttore, in Nußdorf/Pfalz zum "Erlebnis in Weiß" ein.
Hier durften wir schon in den überraschenden Genuß der 2009er Kollektion von Jungwinzer Jochen Uebel kommen. Heute Abend drehte sich nun die Twitter Wein Verkostung Live um Uebels Tropfen aus der Pfalz. Die rege Anzahl der gespannten Online Verkoster fand sich, wie gewohnt, um 20:30 Uhr zusammen, um den 2009er Sauvignon Blanc Kabinett auf Herz und Wirkung zu testen.
Sauvignon Blanc aus Deutschland? Braucht kein Mensch! Aber es sind eben diese Ausnahmen, wie der SB von Weingut Uebel, die die harte Regel bestätigen.
Hellgelb dreht dieser Sauvignon Blanc seine Runden mit goldenen Reflexen. Dezente Nase nach exotischen Früchten, Spargel und diversen Kräutern.
Am Gaumen fordernde Säure gekoppelt mit würzigen Noten und feiner Pampelmusen Herbe. Ganz individueller Charakter, nicht französisch, nicht südafrikanisch, ein Pfälzer!
Die Individualität beschert diesem Wein seine absolute Daseinsberechtigung.
Das Preisleistungsverhältnis krönt eine Topperformance...
Bin durchaus gespannt auf den Cabernet Sauvignon, der nächste Woche zur Verkostung ansteht. Wieder eigentlich eine Rebsorte, die in Deutschland kein Mensch brauch...

Weitere Artikel zur gestrigen #TWV:
Don Simon
Heike Larsson auf Vinum Diligo

Sonntag, 12. September 2010

Kauft nicht im Supermarkt!...und wenn dann Champagne Grand Plaisir Tradition Reserve

Im Supermarkt kauft man kein Wein! Das ist keine versnobte Weinsakralisierung.
Das ist meine tiefste Überzeugung. Dennoch, am meisten Wein wird in Diskountern bzw. Supermärkten gekauft. Wer ist daran schuld? Einfach wäre es festzustellen, dass der Geschmack der breiten Bevölkerungsschicht nicht erlesen genug wäre, um ein Streben nach qualitativen "echten" Wein nachzugehen. Fakt ist aber auch, dass viele Endkonsumenten sich nicht an das Thema Wein trauen, da es immer noch von sakralischen Wächtern, überdimensionaler Arroganz und festen Krusten umgeben ist.
Die Schuld ist auf vielen Seiten zu suchen. Mit Freuden kann man aber feststellen, dass eine junge Winzergeneration heranwächst, die mit viel Leidenschaft und Energie den Kampf um den Massenplörrekonsumenten wieder angeht, quasi einer Art Missionierung aufnimmt. Der Weinüberzeugungskreuzug ist eröffnet...
Nun, für die Konsumenten, die aus zeitlichen Gründen nicht verschiedene Häuser für den abendlichen Einkauf aufsuchen können, denen sei heute ein kleiner Tipp gegeben für doch eine Ausnahme der Regel.
Wer den Direttore kennt, der weiß um seine Leidenschaft zum Schaumwein. Hier sei er wohl bereit jeden Preis zu zahlen für einen gefälligen Tropfen im Glas.
Doch einen Trend geht er mit Sicherheit nicht mit, nämlich den, der Millionen Liter Häuser aus Reims, wie Moet Chandon und Veuve Cliquot. Volksverarsche jenseits der 30€. Gut, Markenbewußtsein und Dekadenz rund um den Namen Champagne müssen erhalten bleiben. Wie schön ist es doch zu wissen, wieviel liebevoller Champagner von Winzern vinifiziert wird zu völlig erträglichen Preisen jenseits der Großkellereien.
Aber zurück zum Thema, wenn Champagner aus dem Supermarkt, dann gibt es für mich nur eine Ausnahme, den Champagne Grand Plaisir Tradition Reserve. Dieser ist so geradlinig, wie ein Schaumwein nur sein kann. Frische Nase aus gelben Früchten, Nuancen von Honig und foralen Noten nach Mageriten. Am Gaumen kein großes Festival, unaufgeregte Frucht, bekömmliche Dosage und vor allem eins, faszinierend trocken. Ein solider Aperitif und das für ca. 10€. Vertrieben wird das Ganze von der Rheinberg Kellerei in Bingen. Erhältlich ist der Grand Plaisir ausschließlich bei EDEKA. Für mich das kleinste aller Übel, wenn es einmal schnell gehen muss. Vor allem ist für 10€ nicht wirklich etwas verloren...

Freitag, 10. September 2010

+++Blitzverkostung+++ No Pinot is better than this Pinot! 2008 Glen Carlou Pinot Noir

Wer den Direttore kennt, der weiß, dass er dem Rebsaft aus dem südlichen Afrika sehr zugetan ist. Normalerweise... Sicherlich beinhaltet dies eine gewisse Subjektivität, da ich einen Teil meines Lebens dort verbringen durfte und meine Mutter gleich dort unten ließ. Welche Vorteile es mit sich bringt, seine Mutter in eine Ex Kolonie auszulagern, werde ich an anderer Stelle beleuchten.
Heute ärgere ich mich jedoch zu erst einmal. Worüber? Über den 2008 Pinot Noir von Glen Carlou. Walter Finlayson, den ich sonst sehr schätze, hat hier wirklich kein Meisterwerk abgeliefert.
Im Glas dreht er seine Runden eher, wie ein Fruchtsaftkonzentrat von einem Diskounter, als wie ein sicherlich klarerer Vertreter seiner Zunft. Wenn man bei diesem Tropfen von einem Bukett sprechen kann, dann sind es übersüßte Noten nach überreifen Himbeeren und matte und dumpfe Noten nach abgestandener Tomatensuppe. Am Gaumen ist der Körper vor allem eins, völlig dünn, fast schon ein Glas Wasser mit ein wenig beerigen Fruchtaroma. Säure, Holz etc. kaum erkennbar. Im Abgang der Gipfel der Belanglosigkeit. Versteht mich nicht falsch, man kann "ES" sicherlich trinken, im Sinne einer Limonade, aber mit Wein hat das nichts mehr zu tun...
Natürlich kann man, allein schon wegen der Preisklasse, diesen Vertreter südafrikanischen Pinots nicht mit den Großen, wie Hamilton Russel vergleichen, aber dennoch bedient dieser Wein eben alle Vorurteile, die man gegen Neue Welt Weine haben kann, obwohl er eigentlich rein von der Vinifikation sauber gemacht ist!
Lieber Walter Finlayson, du machst wirklich geniale Weine, wie den Glen Carlou Gravel Quarry Cabernet Sauvignon, Glen Carlou Syrah, Glen Carlou Syrah Mourvedre etc., aber beim Pinot ist Nachsitzen angesagt...

Donnerstag, 9. September 2010

+++Blitzverkostung+++ 2007 Diemersfontein Shiraz

Nachdem im Leben nicht immer alles homogen laufen muss, hat mich zu der DVD "Blood Into Wine" ein Vertreter südafrikanischen Shiraz begleitet.
...Und dies stellte sich nicht als Fehler heraus. Nach einer ordentlichen Portion Luft vereinigt er würzige Noten nach grünem Pfeffer, salzige Nuancen mit einer extra Portion türkischen Cafés in sich stimmig. Er wirkt nicht übermäßig würzig herausfordernd, sondern lässt hier schon seine untypische Noblesse für einen Shiraz in dieser Preisklasse durchblitzen. Ledrige Noten geben dem Bukett ein Fundament.
Am Gaumen nimmt die Eleganz formen an. Weiche Tannine, ein harmonisches Säuregerüst und gut eingebundenes Holz. Der Tropfen verbrachte 12 Monate in Barriques. Langeweile pur? Nein! Eine gewisse Chayenne Pfeffernote gibt dem ganzen den anregenden Feinschliff, so dass der ansonsten ausgewogene Zeitgenosse an Attraktivität gewinnt. Nicht zu trocken, eher süffig. Leider leicht eckiger und rapsiger Abgang. Entschuldigen wir dies mit Jugend. Dennoch, für ca. 15€ ein anständig gemachter Shiraz aus Wellington.
Betonung liegt auf gemacht.
Nachdem die Familie Sonnenberg seit 2001 auch Wein unter eigenem Namen auf ihrer Farm vinifiziert, dürfen wir gespannt sein, wie sich die Weine in den nächsten Jahren präsentieren...

Dienstag, 7. September 2010

Blood Into Wine "...a rock`n roll version of Sideways" DVD

Da war sie also in der Post. Nüchtern, genormt geformt und eingeschweißt direkt aus den Vereinigten Staaten. Die lange ersehnte Dokumentation "Blood into Wine". Viele Vorschusslorbeeren stellten diesen Film wirklich vor eine Probe. Warum? Weil es um keinen Geringeren, als Maynard James Keenan geht. Wer das ist? Ein Star des modernen Rocks, ein Superstar, vor allem was Verkaufszahlen angeht.
Dieser kommt also auf die grandiose Idee Wein zu machen. Das mit seinem vinophilen Mentor Eric Glomski, der sich seine Sporen im kalifornischen Weinbau verdient hatte. Der Wein sollte aber nicht irgendwo wachsen und gedeihen. Nein, es musste die Wüste von Arizona sein, genauer gesagt um die Kleinstadt Jerome herum. Wein aus der Wüste...vinifiziert von einem Rockstar...medienwirksam umgesetzt auf DVD. Kann das wirklich fundiert funktionieren? Nach Begutachten des Werks kann man nur zu einer Schlussfolgerung kommen...Es funktioniert nicht nur, es setzt Maßstäbe!
Es zeigt einen Rockstar, der nicht einen oberflächlichen Entschluss gefasst hat mal eben nebenbei sich dem Wein zu widmen. Es zeigt einen Menschen, der die Passion für den Rebsaft lebt. Mit allen persönlichen Facetten. Man bedenke, dass sein Weingut, die Caduceus Winery, einen Wein nach seiner verstorbenen Mutter "Judith" benannt hat. Ein 100 prozentiger Cabernet Sauvignon. Keenans Mutter war ihr halbes Leben gelähmt und konnte nicht viel aus ihrem Leben machen. So verstreute Winemaker Maynard Kames Keenan die Asche seiner Mutter über den Wingert, damit sie wenigstens nach ihrem Tod die Möglichkeit die Welt zu sehen erhält. Soviel zum Mensch Keenan. Viel wichtiger ist, er kann gemeinsam mit Eric Glomski von Paige Spring Vineyards auch wirklich guten Wein machen. Falsch gedacht ist, hier würden nur Groupies des Rockstars ihre Zustimmung bekunden. Kein geringerer als James Suckling vom Wine Spectator zeigt sich überrascht von dieser Art von Wein aus der Wüste Arizonas. Der Film vermittelt viele Stimmungslagen. Die Philosophie in Bezug auf Wein und Natur, die Gesetze des Marktes, schafft es aber gleichzeitig wahnsinnig gewollte komische Momente zu erzeugen. Dieser Film macht einfach Spaß. Er bricht Krusten der staubigen Weinwelt auf und das in der Wüste neben Jerome. Alles ganz weit weg vom üblichen vinophilen Snobismus! Mir fehlen die Worte...Wer die Passion Wein wirklich verstehen will, der muss "Blood Into Wine" sehen, um auf seiner eigenen Reise bestärkt zu werden...

PS: der Soundtrack "Sound Into Blood Into Wine" von Keenans Band "Puscifer" rundet das Gesamtwerk musikalisch genial ab...