Montag, 26. Juli 2010

+++Blitzverkostung+++ 2007 Minervois Domaines des Aires Hautes

Es besuchen soviele Weine meine Gläser. Manche sind es wert, dass man seitenlange Abhandlungen über sie verfasst und wiederum andere sind für Aufrufe zum Lynchen des Winzers schon zu schade. Letztendlich zählt die einfache, aber treffende Einschätzung, schmeckt oder schmeckt eben nicht! Um einfach mal ein langes Gitarrenintro auszulassen, bzw. ein abruptes Ende einer Degustationsnotiz zu vermeiden, werden wir die Kategorie der Blitzverkostungen einführen. So werdet Ihr zwischen den ausführlichen Artikel, die sich mit Sinn und vor allem Unsinn des Jungles der Weinwelt beschäftigen, immer mal wieder kurze Verkostungsnotizen zu Weinen, die mein Glas kreuzen, lesen können. Ziel ist es, neben den Artikel, eine möglichst große Anzahl von Weinexpertisen im Archiv zu sammeln.
Die erste Blitzverkostung beschäftigt sich heute mit einer Preisleistungsbombe aus dem Languedoc. Eine Monstercuvee aus Syrah, Grenache, Mourvèdre, Carignan mit 14% Umdrehungen. 2007 Minervois, Domaines des Aires Hautes. Für mich der Beste Tropfen den man für ca. 6€ aus dem Languedoc erhalten kann.
Tiefes, dunkles Rot mit rubinartigen Reflexen. So lachte er aus dem Glas. Ein animierendes Frucht/Gewürzmix dominiert die Blume. Cassis, tonangebende Kirsche, sowie überreife Himbeeren lassen eine außerordentlich angenehme Süße aufkommen. Grüner Pfeffer, Thymian und ein Touch Curry geben ihm ein wenig Anfahrtshilfe.
Am Gaumen überdurchschnittlich saftig und breit. Waldbeeren Konfitüre sorgt für Ausgewogenheit und Harmonie. Sehr süffig. Einziger Makel ist das leicht pappige Finish. Ansonsten ein herrlicher Zechwein, der zum zweiten Glas geradezu herausfordert!

Montag, 19. Juli 2010

Klischee Bashing-warum Zinfandel doch rocken darf! 2007 Zinfandel Old Vine Cuvee Four Vines

Klischees sind da um bedient zu werden, wer möchte da schon gerne Widerspruch erfahren? Doch das spannende am Jungle der Weinwelt ist, dass man sein Leben lang eines besseren belehrt wird. In manchen Fällen von einem Besseren. Martin Koessler von der K&U Weinhalle aus meiner Heimat Nürnberg, erzählt mir einfach mal, dass auch Zinfandel Rock`n Roll spielen kann. Zinfandel? Eine Rebsorte die ursprünglich von der italienischen Primitivo Traube abstammt. Ich kenne diese Rebsorte normal nur als typischen Ami! Fett, alkoholreich und zielführend, im Sinne von Filmriss. Aber wie immer lasse ich mich durchaus gerne überzeugen. Martin empfahl mir drei Zinfandel, die ich alle demnächst hier vorstellen werde.
Den Beginn macht heute der 2007er Old Cuvee von Four Vines. Zinfandel von uralten Rebstöcken. Können mich also Christian Tietje und seine Frau Susan Mahler, Besitzer des Weinguts an der Central Coast, überzeugen?
Im Glas präsentiert er sich, wie schwarze Tinte mit granatroten Reflexen. Monsterbukett! Eine Maschinengewehrsalve aus diversen Waldfrüchten, Brombeere, Johannisbeere und Blaubeeren. Volle Würze aus Zimt, Cayenne Pfeffer und einen Touch Mocca. Mit Verlaub gesagt, wirklich beeindruckend. Am Gaumen setzt sich das Wechselspiel aus intensiven Beeren und erregender Würze fort. Süffig und saftig ohne zu fett oder marmeladig zu wirken. 14,6% Alkohol sind wirklich harmonisch eingebaut, sowie das Barrique. Es gesellen sich hier und da noch ein paar Nougatschokoladentöne dazu. Das Finish definiert sich trocken und lang.
Dieses Exemplar macht vor allem eines, wirklich Spaß! Nichts bordelaises, nichts nobles, einfach Genuß mit Suchtgefahr. Hut ab! Was dem ganzen natürlich die Krone aufsetzt ist der Preis. Für ca. 12€ findet man meiner Meinung nach keinen besseren Amerikaner. Hatte diesen Zinfandel als Begleiter zu Lammspießen mit roter Salsa. Richard Wagner auf der Zunge! Gelungen!
Wir können gespannt sein auf die beiden anderen Vertreter...

Dienstag, 13. Juli 2010

Staat vs. Privat! 2008 Weisser Burgunder Staatsweingut Meersburg against 2009 Weisser Burgunder Peter Krause Meersburg

Der Bodensee. Ein fantastischer Fleck im ansonsten bergigen Bayern. Meersburg, wiederum im würrtembergischen Teil, ist dort wohl das Städtchen, welches mir am meisten zusagt. Mehr mediterranes Flair umrahmt der Alpen geht nicht. Kleine Restaurants, schicke Weinhändler und Galerien am See machen die 1,5 Stunden Fahrt zum Entspannungsurlaub. Was fand ich Deutschland früher spießig und lerne es nun immer mehr zu schätzen. Wer braucht da noch Genua? Nun, Wein machen die Badener rund um den Bodensee auch. Sehr guten sogar. So stelle ich heute zwei Weine direkt aus Meersburg vor. Zwei Weißburgunder. Übrigens, nirgends in Deutschland wird soviel Weißburgunder, wie in Baden angepflanzt. 2008 ca. 1.141 Hektar. Im Vergleich, um die Mosel werden nur ca. 241 Hektar angebaut. Wie schmecken als ganz bodenständige und bezahlbare Weißburgunder um den Bodensee, speziell um Meersburg? Fangen wir mit dem Vertreter des Staatlichen Weinguts Meersburg an. Mit exaktem Hellgelb mit grünlichen Reflexen dreht er seine Runden im Glas. Das Aroma erinnert an frische Bodenseeäpfel, Walnuss und Spargel. Insgesamt eine dezente Nase. Erst spritzig am Gaumen, sekundär legt sich ein konservativer Cremefilm über die Zunge. Das Säuregerüst weiß anzuregen. Etwas ungestüme wilde Frucht aus einem Rhabarber/ Birnen Mix. Kräutrige Noten nach Petersilien. Im Finish dominiert die bittere Grapefruit. Ungewöhnlich spannend für einen Basis Weißburgunder!
Der nächste Vertreter kommt aus der Privatwirtschaft. 2009er Weisser Burgunder von Peter Krause. Im Glas ein Aristokrat. Mattes und gelangweiltes Hellgelb im Glas. Überraschend das Bukett. Feine Mandel/Marzipan Nase. Williams Christ Birne. Weihnachtsnase. Nussig,rosinig mit einer zurückhaltenden Obstkorbnuance. Sehr cremig, Bananenaromen, Bittermandel, dichter Stoff mit harmonisch eingebundener Säure. Alkoholgehalt (13%) deutlich spürbar. Breites Finish.
Sehr schwierig zu vergleichen, die beiden Zeitgenossen. Zwei völlig unterschiedliche Vertreter innerhalb der gleichen Rebsorte. Wer es spritzig, jung und dynamisch bevorzugt, der muss zur staatlichen Variante greifen. Der Melancholiker bevorzugt den Weißen Burgunder von Peter Krause. Breiter und dichter.
Beide Exemplare sind sehr hübsch gemacht und für Basisweine wirklich spannend.
Egal auf welchen Tropfen die Wahl fällt, am Ufer von Meersburg werden sie emotional die Schönheit dieses Ortes unterstreichen...

Dienstag, 6. Juli 2010

Das große Spiel Zahlen oder viel Lärm um nichts...Part II

Gestern erschienen die neuen Zahlen bei Wikio in Bezug auf das Weinblogger Ranking. Die Ergebnisse an sich gaben einmal wieder Anlass für eine kontroverse Debatte über Relevanz und Effektivität gewisser Zählwerke. Auffallend ist, dass die Blogger, die bei z.B. Blogoscoop Ruhm und Ehre ernten, sich gegen Wikio stellen und andersherum, frei nach Shakespeares "Wie es auch gefällt". Prinzipiell muss ich feststellen, dass jede Zählwerke, sei es Blogoscoop, sei es Top Blogs etc. zwar ein Indikator sein kann für gewisse Tendenzen, jedoch so manipulierbar sind, dass man keinem diese Zahlen als seriöses Aushängeschild verkaufen kann. Wie soll man die Tatsache stimmig argumentieren, dass man bei Blogoscoop 1200 Leser hat, aber bei Google Analytics das Dreifache. Wer verkörpert ein verbindliches Ergebnis? Deswegen sollte die Devise ganz klar lauten, macht Euch frei von diesem idiotischen Zahlenspiel!
Jeder, der sich in der Weinbloggerszene umhört, weiß doch automatisch wer die Rädelsführer sind. Momentan kommt an Capatain Cork, Nikos Weinwelten, Drink Tank und letztendlich dem Blogggwart, Dirk Würtz keiner vorbei. Wer jetzt dort tausend Leser mehr oder weniger hat, kann den Mitbloggern völlig entspannt egal sein. Alle vier stehen für eine ganz individuelle Note mit verschiedenem Zielpublikum. Zahlen sind höchstens für eines wichtig, Gewinnung von Werbekunden. Dadurch kommen wir gleich zur nächsten Unterscheidung, nämlich der der Amateurblogger und der professionellen Blogger. Letztere müssen von ihren Publikationen leben, somit sind sie genötigt mit etwas zu werben, bzw. einen Erfolgsindikator an die Industrie weiterzugeben. Dies sind nun mal die Leserzahlen. Völlig in Ordnung. Welche Zahlen weitergegeben werden, soll für die Community keine Rolle spielen. Die Werbepartner werden autark genug sein, selber professionell zu unterscheiden, ob der Online Publizist deren Zielgruppe anspricht.
Soll heißen in der Theorie können professionelle und amateurhafte Blogs, wie es auch die La Gazzetta del Vino ist, völlig ausgeglichen und entspannt parallel nebenher laufen. Der Schnittpunkt bleibt die Liebe zum Wein. Hier kann es nur von Vorteil sein, dass man so viele Menschen, wie möglich für diese Welt begeistert. Ob sie Ahnung haben oder nicht spielt keine große Rolle. Die Lust und die Freude am Rebsaft kann nur eine Bereicherung der gesamten Online Weinszene bedeuten. Es müssen alle mitgenommen werden!
Die Weininteressierten von heute sind die Leser von morgen. Ihnen darf man nicht mit Arroganz und Überheblichkeit begegnen, sondern muss sie aufnehmen, beraten und begeistern. Nur so kann die Weinbloggerszene auch endlich nach außen ein stimmigeres Bild abliefern.
Diese Platzhirschkämpfe müssen ein Ende haben. Wenn ich mir dann eine Umfrage des ansonsten von mir sehr geschätzten Michael Liebert so anschaue, wo es darum geht den relevantesten, ja sogar beliebtesten Weinblogger ausfindig zu machen, dann muss ich sagen, manche haben anscheinend den Schuß nicht gehört. Nochmals zu meiner Anfangsthese, jeder weiß um die Großen der Szene, also was bringt diese Erkenntnis? Soll das Signal nicht lieber lauten, Weinfreunde, wenn ihr uns etwas über Wein mitteilen wollt, dann tut dies völlig unverkrampft. Der Leser kann doch selbst entscheiden im WEB 2.0 ob ihm die Publikation interessiert oder eben nicht!
Für mich ist jeder Weinblogger relevant, ob 1 Leser oder 100.000 Leser.
Jeder, der etwas zum größer werden dieser Szene beiträgt, macht sich bei mir beliebt. Also was soll so eine Umfrage? Etwa Amateuren zeigen, dass sie solche sind? Das wissen sie und das ist vollkommen okay, sind sie ja auch nicht gezwungen Geld mit ihren Publikationen zu verdienen.
Dirk Würtz zeigt doch welch großen Erfolg ein Amateurblogger haben kann, völlig ohne Werbekunden. Würtz hat das Mitmachweb als einer der Ersten verstanden.
Ich habe übrigens Michael Lieberts Umfrage gewonnen. Es war einfach. Ich habe lediglich in meinem Unternehmen eine E Mail versendet, in der ich auf diese Umfrage aufmerksam machte mit der Bitte mich doch zu wählen.
Da ich weder ein relevanter Weinblogger bin und schon gar nicht der Beliebteste (eher einer, der polarisiert), zeigt dies doch die nicht gegebene Aussagekraft. Das wollte ich damit zeigen. Es ging hier nicht um Kritik an Michael Liebert. Seine Arbeit schätze ich sehr.
Der Appell kann nur lauten, dass es erstrebenswerter ist und bleibt Synergien zu schließen, um der Szene eine kraftvolle Außenwirkung zu ermöglichen. Die Platzhirschkämpfe müssen eingestellt werden, denn die "Großen" müssen die "Kleinen" nicht fürchten. Im Gegenteil, die Leidenschaft wird geteilt. Mehr Entspannung würde dieser ganzen Szene gut tun. Weg von "Viel Lärm um nichts" hin zu einem vinophilen "Sommernachtstraum", um beim guten alten William Shakespeare zu bleiben...